Der agile Coaching Markt hat ein Zitronenproblem

Inhalt

In einer Welt, in der Agilität immer mehr zur Wettbewerbsfähigkeit beiträgt, ist es verlockend, auf kostengünstige Lösungen zurückzugreifen.

Aber es lauert eine versteckte Gefahr: die Akerlof-Spirale, ein Phänomen, das durch den Kauf von „billigen“ agilen Coaches angetrieben wird, die eher Zitronen als Qualitätsprodukte sind.

Es ist ein alarmierendes Zeichen, dass immer mehr Leute auf den Markt drängen, die wenig von Agilität verstehen.

Sie unterbieten ihre Preise, bis sie schließlich von Unternehmen gekauft werden, die in der Regel dem Irrglauben unterliegen, dass niedrigere Kosten gleichbedeutend mit guten Geschäften sind.

Die Unternehmen sind Opfer ihrer eigenen Sparwut und einer raffinierten Täuschung, die sich in der Wirtschaftstheorie als „Zitronenmarktproblem“ manifestiert, wie es George Akerlof einmal treffend formuliert hat.

Die Akerlof-Spirale

Unternehmen kaufen nicht Qualität, sondern Zitronen – so wird eine Ware bezeichnet, die im Nachhinein als minderwertig eingestuft wird.

Die Akerlof-Spirale ist kein neues Phänomen, sondern etwas, das ich zum ersten Mal in einem Buch von Gunter Dueck gelesen habe.

Dueck ist bekannt für seine scharfsinnigen Analysen ökonomischer Phänomene und seine Fähigkeit, diese auf eine leicht verständliche und dennoch erhellende Weise zu vermitteln.

In diesem Fall beschreibt er die Akerlof-Spirale am Beispiel von Gebrauchtwagenhändlern, was sich erstaunlich gut auf die Welt des Recruitings und die Praxis der Einstellung von „billigen“ Coaches übertragen lässt.

Wie bei Gebrauchtwagen, bei denen Verkäufer und Käufer oft unterschiedliche Informationen über die Qualität des Autos haben, gibt es auch auf dem Markt für agile Coaches eine Diskrepanz zwischen dem, was die Verkäufer (die Coaches) über ihre Fähigkeiten wissen und dem, was die Käufer (die Unternehmen) wahrnehmen.

Der Markt benötigt Qualitätsstandards

Das Ergebnis ist eine Marktsituation, in der schlechte Qualität gute Qualität verdrängt, weil die Käufer nicht in der Lage sind, die tatsächliche Qualität der angebotenen Dienstleistung zu erkennen.

Diese Intransparenz und das Streben nach dem niedrigsten Preis führen zu einer Abwärtsspirale, die die Qualität des agilen Coachings insgesamt mindert.

Es ist faszinierend, aber auch erschreckend zu sehen, wie sich diese Theorie in der Realität manifestiert, wenn wir die Welt des agilen Coachings betrachten.

Aber nur wenn wir dieses Phänomen erkennen und aktiv dagegen vorgehen, können wir hoffen, diese Spirale zu durchbrechen und die Qualität im agilen Coaching wieder zu stärken.

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Wer billig kauft, kauft doppelt

Diese agilen Coaches, die oft zu Schnäppchenpreisen eingekauft werden, führen häufig zum Scheitern von Projekten.

Da das Budget nun ausgeschöpft ist, suchen die Unternehmen wieder nach neuen, „billigeren“ agilen Coaches, was die Spirale der Ineffizienz weiter antreibt.

Vermeintliche Qualitätskriterien sind oft irreführend:

Es geht darum

  1. jemanden zu kennen (das berühmte Vitamin B),
  2. ein paar glänzende Zertifikate zu haben und
  3. einen niedrigen Pauschalpreis anzubieten.

All dies führt zu einer gefährlichen Verdünnung von Qualität und Expertise im agilen Coaching.

Das Bild wird noch düsterer, wenn man bedenkt, dass einige Coaches ihre eigenen Defizite durch erfundene Qualifikationstitel kaschieren und um diese herum halboffizielle Ausbildungen samt Zertifizierungen aufbauen.

Es entsteht eine Art Fabrik für minderwertige Coaches, die die Akerlof-Spirale weiter antreibt.

Fazit

Deutlicher kann die Botschaft nicht sein: Wer billig kauft, kauft teuer, und das oft mehrfach.

Wenn wir zulassen, dass sich dieser Trend fortsetzt, wird der Markt für agiles Coaching immer tiefer in eine Abwärtsspirale gezogen, die kaum noch aufzuhalten ist.

Es liegt an uns, diese Zitronen zu versaften, die Honigmelonen zum Qualitätsstandard zu setzen und uns nicht von glänzenden Zertifikaten oder niedrigen Preisen täuschen zu lassen.

In einer Welt, in der es auf Agilität ankommt, können wir es uns nicht leisten, Zitronen zu kaufen.

P.S. Ich habe lange überlegt, ob ich die Akerlof-Spirale erklären soll. Aus Gründen der Lesbarkeit habe ich mich entschieden, dies hier im Post Scriptum zu tun:

Die Akerlof-Spirale, benannt nach dem Nobelpreisträger George Akerlof, zeigt eine düstere Realität auf Märkten mit asymmetrischer Informationsverteilung, in der man sich befinden kann.

Es ist eine verhängnisvolle Abwärtsspirale, die entsteht, wenn die schlechtere Qualität die bessere vom Markt verdrängt – eine düstere Ironie, die sich in unseren Wirtschaftssystemen oft entfaltet.

Es beginnt unschuldig.

Man stelle sich einen Markt vor, auf dem sowohl hochwertige als auch minderwertige Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden.

Die Verkäufer kennen die wahre Qualität ihrer Produkte, Du als Käufer aber nicht.

Hier beginnt die Informationsasymmetrie.

Als Käufer möchtest Du verständlicherweise den niedrigsten Preis bezahlen.

Da Du die Qualität nicht beurteilen kannst, wählst Du das Produkt mit dem niedrigsten Preis.

Dies führt zu einem Preiskampf unter den Verkäufern, und diejenigen, die wirklich Qualität anbieten, können mit den niedrigeren Preisen der Anbieter minderwertiger Produkte nicht mithalten.

Mit der Zeit werden diese Qualitätsanbieter aus dem Markt gedrängt, da sie ihre Preise nicht weiter senken können, ohne Verluste zu machen.

Übrig bleiben die Anbieter minderwertiger Produkte, die den Markt mit ihren „Zitronen“ überschwemmen.

Dies ist die düstere Realität der Akerlof-Spirale: eine Abwärtsspirale, die durch Informationsasymmetrie und Preiswettbewerb verursacht und in der bessere Qualität vom Markt verdrängt wird.

Die Akerlof-Spirale ist kein theoretisches Konstrukt, sondern eine düstere Realität, die man auf vielen Märkten erleben kann.

Sie erinnert Dich daran, dass der niedrigste Preis nicht immer das beste Geschäft ist und Du immer versuchen solltest, die wahre Qualität der Produkte oder Dienstleistungen, die Du kaufst, zu verstehen.

Nur so kannst Du die Abwärtsspirale durchbrechen und die Qualität wieder an die Spitze bringen.

Wenn du Hilfe bei der Beurteilung von agilen Produkten benötigst, unterstützen wir dich gerne.

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Frank Schatz

Frank Schatz ist Gründer von successmedia, Certified Instructor und Sachverständiger für agiles Projektmanagement.

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